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Alexandra Ehlert: Ein verdammt offener Brief an meinen dicken Körper

von Sabine Nemec. 28. Feb 2016

Sich mit seinem Körper anfreunden kann für alle Frauen, die nicht ins gesellschaftliche Schema passen, eine ziemliche Herausforderung werden. Alexandra Ehlert, auch Alex, schildert ihren Weg zu einer zufriedenen Frau sehr offen. Hier nun ihre sehr offenen Zeilen über ihren kurvigen Körper, die für uns alle eine Inspiration sein können.

„Ich war nicht immer dick. Nein. Ich kenne auch das krasse Gegenteil.

Im Kindergarten und den ersten Jahren meiner Schulzeit war ich ein echtes Moppelchen und hatte auch nicht wirklich Interesse an anderen Kindern oder übermäßiger Bewegung. Ich war eher der Einzelgänger, der sich mit seinen Büchern oder im Pferdestall in die Ecke verkrochen hat und in seiner eigenen Welt lebte. Ich weiß niemand meinte es böse, aber ich war für viele einfach das „Dickerle“.

Das änderte sich allerdings recht bald als ich monatelang wegen einer schweren Erkrankung die meiste Zeit im Krankenhaus war und kaum noch Essen konnte. Glücklicherweise habe ich alles bestens überstanden und lebe heute ohne jegliche Einschränkungen ein sehr aktives und auch sportliches Leben.

In der Pubertät war das erste Mal ein gewisses Maß an Leiden da was meine Figur betraf. Ich war eine der Ersten deren Hüften und Oberweite den normalen Gang des Frauseins nahm, dabei war ich aber nie dick. Ok, ich brauchte mit 16 eine Hosengröße 40, aber auch nur wegen meinen dicken Oberschenkel, die ich nunmal dank des vielen Reitsports hatte. Muskeln brauchen eben Platz!

Alexandra Ehlert: Mit rundem Körper zur zufriedenen Frau

alexandra ehlert plus size blog formgefühl

Alexandra Ehlert bei einem Red Carpet Event – immer top gestylt mit vielen eigenen Ideen.

Mit meinem Körper fing ich erst mit etwa 20 an zu hadern. Mein damaliger Freund gab mir immer wieder zu verstehen, dass ich fett werden würde. Und danke, liebe Schildrüse, dass du genau in dieser Zeit angefangen hast dich wie ein Jojo zu verhalten. Damit begann eigentlich das echte Körperdrama: Crashdiät, Fressanfälle, Diäten, heimlich Essen, dick, Diätpillen, exzessiver Sport, noch mehr Frustfressen. So kommt frau ganz schnell von einer straffen 40/42 auf eine, ich schätze, fast Kleidergröße 50 in den schlimmsten Zeiten. Ich hab mir keine Klamotten mehr gekauft, sondern nur noch selbst genäht. Ich wollte nicht immer und immer wieder daran erinnert werden, dass ich von der Stange einfach nichts mehr bekomme, was mir auch gefällt. In den Neunzigern war was Schickes und Bezahlbares ab gewissen Dimensionen einfach „Mission Impossible“.

Das ich den ganzen Mist wegen meiner Schilddrüse mitgemacht habe, wusste ich nicht mal. Naja, und so ging das über Jahre. Immer wenn nichts mehr ging, habe ich Extreme gelebt, die alles andere als gesund für einen Körper sind. Mitte zwanzig bin ich dann mit meinem Mann zusammen gekommen und mit ihm kam Ruhe in mein Leben. Ich habe nach und nach meinen Frieden mit mir und meinem Körper geschlossen. Endlich hatte ich einen Partner, dem egal war ob ich mal wieder etwas zugenommen hatte und der meine Leidenschaft für Sport und gutes Essen teilte.

Als ehemaliger Leistungssportler wusste er natürlich viel mehr über Hormone und Stoffwechsel als ich mir jemals so hätte aneignen können. Er war es , der überhaupt auf die Idee mit der Schildrüse kam. Und das machte alles plötzlich so einfach. Ich habe mich testen lassen und seine Vermutung wurde bestätigt, jetzt war ich aber schon als Kind mit zuviel Medikamenten und Ärzten in Berührung gekommen, als dass ich Lust darauf hatte, mein Leben lang Medikamente einnehmen zu müssen. Dank eines befreundeten Heilpraktikers lebe ich bis heute ohne wirkliche Probleme. Das Gewicht ist für mich auf jeden Fall kein Sorgenkind mehr. Ohne Medikamente sind meine Werte so stabil, dass ich daran auch nichts ändern muss.

Als Kind war ich das Dickerle, als Teenie die Wuchtbrumme und heute einfach zufrieden.

Diskriminierung habe ich wenn dann eigentlich immer nur von der Modeindustrie erfahren, denn noch bis vor wenigen Jahren gab es einfach nur Sack oder Nichts.

Menschen konnten mir in der Hinsicht noch nie etwas anhaben, dafür war ich viel zu sehr Einzelgänger und meine wenigen Freunde, die übrigens überwiegend schlank sind, hatten mit meiner, wie ein guter Kumpel immer sagt, „sexuellen Schwungmasse“ nie Probleme. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich mir damals so sehr mein Selbstwertgefühl hab‘ einschränken lassen, dass ich überhaupt mit Diäten angefangen habe.

Der einzige Mensch, der immer wieder kritisiert, ist meine Oma. Aber sie darf das. Ich denke, sie ist der Meinung, dass mein Gewicht der Grund ist, warum wir noch keine Kinder haben. Aber wir alle kennen Omas: sie meinen es wirklich nur gut mit uns und ich lieb‘ sie dafür sehr.

 

alexandra ehlert körper

 

Mehr zu Alexandra Ehlert gibt’s morgen im zweiten Teil unseres Beitrags!

 

Bild Copyrights: Alexandra Ehlert
28
Feb
2016

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