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Mobbing und Fatshaming: Ein paar Gedanken

von Anna Peters. 25. Nov 2018

„Du fette Sau!“ schreien ein paar aufgekratzte Teenie-Mädels einem kräftigen, jungen Mann hinterher, der auf dem Fahrrad an ihnen vorbei fährt. Sie lachen dreckig, der arme Kerl fährt sichtlich getroffen und schweigend davon. Ein klassisches Beispiel von Fatshaming – wie ich es leider in letzter Zeit immer öfter beobachte und auch schon selbst erlebt habe. Warum machen Menschen so etwas?

Seit ich denken kann, interessieren mich Menschen und ihr Verhalten. Schon als Kind habe ich gerne den Observierer gespielt und Erwachsene wie Kinder beobachtet in zwischenmenschlichen Situationen. Dabei ist mir früh aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen mit ihren Mitmenschen umgehen – von freundlich-offen, über neugierig bis hin zu distanziert oder verachtend.

Ich hatte Glück mit Liebe, sicher und geborgen aufzuwachsen. Meine Eltern haben viel Wert auf Respekt, Höflichkeit und gute Umgangsformen gelegen. Das habe ich sehr verinnerlicht und es muss schon verdammt viel passieren, ehe ich Mitmenschen beleidige. Umso schwerer fällt es mir, wenn ich Menschen treffe, die das Gegenteil sind.

Mobber müssen sich und ihr Selbstwertgefühl aufwerten

Klar ist für mich: Menschen, die respektlos ihrer Umwelt gegenüber sind, sind eigentlich arme Schweine. Ihnen muss im Leben so viel Liebe und Zuneigung fehlen, sie müssen selbst so viel Wut, Aggression und Ablehnung erlebt haben, dass ihnen nichts anderes bleibt, als diese negativen Gefühle an andere weiterzugeben, um Dampf abzulassen. Sich selbst erhöhen, indem man andere erniedrigt. Das ist so einfach wie effektiv.

Und als Ventil suchen sie sich vermeintlich einfache Opfer, denen man mal ebenso etwas an den Kopf werfen kann.  Den Hass, den sie eigentlich für sich empfinden, projizieren sie auf ihre Mitmenschen, damit diese sich genauso mies fühlen wie sie selbst. Sie verletzen, um sich selbst besser zu fühlen.

Letztes Jahr zum Beispiel habe ich im rheinischen Brühl eine Gruppe Teenie-Mädchen auf dem Schulweg gesehen, die einem kräftigen Mann, der auf dem Fahrrad an ihnen vorbei fuhr, „fette Sau“ hinter her schrien. Wäre ich näher am Geschehen dran gewesen (ich stand mit dem Kinderwagen auf dem Bahnsteig, die Mädchen liefen auf einem Gehweg gegenüber) und der Mann nicht sofort um die nächste Ecke verschwunden, hätte ich den Gören aber ordentlich die Meinung gegeigt über ihr Verhalten und dem Mann moralischen Beistand geboten.

Mobbing NIE persönlich nehmen

Leider mischen sich in solchen Situationen viel zu wenige Passanten ein, um den respektlosen Menschen Einhalt zu gebieten. Ich habe das selbst auch schon am eigenen Leib erlebt. Vor ein paar Monaten saß ich mit einer guten Freundin auf einer Bank am Bonner Hauptbahnhof, um uns herum Mütter, Kinder und ältere Reisende. Aus dem Nichts tauchte ein aggressiver Obdachloser auf und schrie mich lauthals von hinten an. Er beleidigte mich für alle hörbar. Alle Reisenden schauten betreten (und erschrocken) zu, aber niemand sagte etwas.

Ich bekam es gar mit der Angst zu tun, zitterte und befürchtete, der Mann könnte handgreiflich werden. Also sprang ich auf und ging einfach weg. Noch heute ärgere ich mich, dass er damit durchkommen konnte. Dass ein Mann eine fremde junge Mutter in aller Öffentlichkeit anpöbelt und niemand auch nur ein Wort dagegen sagt, ist schon schwer zu verdauen und zu akzeptieren schon gar nicht.

Leider scheint Fatshaming salonfähig zu sein. So nach dem Motto: selber Schuld, wenn man so auffällt. Aber solche armen Gestalten, die vor lauter Selbsthass Fremde angehen, finden immer einen Vorwand, um zu beleidigen. Wenn es nicht die Kilos zuviel sind, ist es die Hautfarbe eines Menschen, die auffällige Nase oder was ihnen sonst gerade ins Auge springt. Sie finden immer einen Grund, um jemanden harsch anzugehen. Daher sollte man es als Opfer NIE persönlich nehmen. Und immer daran denken: Die Person mit dem offensichtlichen Problem ist der, der mobbt und beleidigt. Stabile und gefestigte Menschen mit gutem Selbstwertgefühl würden nämlich nicht auf die Idee kommen, andere zu mobben.

 

Image credits: Arthur Ogleznev
25
Nov
2018

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